29. April 2021

Projekt Anstellungsbedingungen

Das Projekt Anstellungsbedingungen ging aus einer strukturellen Besoldungsüberprüfung hervor, welche auf Anregung der Staatswirtschaftskommission vorgenommen wurde.

Der LVZ hatte sich ebenfalls mit den Themen befasst und seine Anliegen in einem Positionspapier zusammengefasst.

Positionspapier zur strukturellen Besoldungsüberprüfung

Es umfasst im Wesentlichen folgende Forderungen:

  • Gleichstellung von Kindergartenlehrpersonen bezüglich Lohn, Entlastung für die Klassenführung und Pensum mit Lehrpersonen der Primarstufe
  • Gleichstellung von Lehrpersonen mit altrechtlicher Ausbildung auf der Sek I Stufe z.B. Fachlehrpersonen für WAH oder Gestalten
  • Angleichung der Unterrichtspflichtpensen von Lehrpersonen der Berufsschulen an jene der Gymnasien
  • Einbau der TREZ ins Lohnsystem ohne Verluste für die Angestellten
  • Reallohnerhöhung von 2.5 %
  • Problematik der befristeten Anstellungen bei Lehrpersonen
  • Abgeltung der Verbandsarbeit
  • Angleichung der Pflichtpensen von Berufsfachschulen an das Gymnasium.

Beim Projekt Anstellungsbedingungen wurde das interne Vernehmlassungverfahren im Januar 2021 beendet. Der LVZ durfte sich im Rahmen des internen Vernehmlassungsverfahrens einbringen und bei dieser Gelegenheit zwei weitere Anliegen einfliessen lassen.

So sollen nach Auffassung des LVZ die im Personalgesetz definierten Dienstaltersgeschenke neu auch für Lehrpersonen der Volksschule gelten und der Lohn soll während des Vaterschaftsurlaub weder für Angestellte des Kantons, noch für Lehrpersonen der Volksschule gekürzt werden.

Mitte Mai 2021 machte die Regierung den Bericht und Antrag für die externe Vernehmlassung öffentlich. Die jahrelange, beharrliche Arbeit des LVZ hat sich gelohnt. Viele unserer Anliegen wurden im Vorschlag der Regierung erfreulicherweise berücksichtigt.

30.8.2021

Von der Vereinbarkeit von Schule und Familie

Flexible Arbeitszeiten sind auch in Zeiten einer Pandemie in der Schule immer noch schwierig umzusetzen.

Von Pascal Christen, Lehrer Sek1 und Präsidiumsmitglied im LVZ

Die Welt ist im Umbruch. Seit der Pandemie hat sich viel verändert. Monatelang haben tausende Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zuhause im Homeoffice verbracht, von zuhause aus gearbeitet und dies hat meist gut funktioniert, auch wenn die Umsetzung sicherlich nicht überall ohne Probleme gewesen ist. Auch die Schule hat sich gewandelt. Während dem Lockdown haben wir Fernunterricht in kurzer Zeit erfolgreich umgesetzt und nach der Wiedereinführung des Präsenzunterricht sind Hybridveranstaltungen möglich geworden. Schülerinnen und Schüler, wie auch Lehrpersonen haben innerhalb eines Jahres einen riesigen Fortschritt betreffend der IT-Kompetenz gemacht. Ich bin überzeugt, dass die Pandemie neben vielen negativen Folgen in diesem Bereich einen regelrechten IT Boost ausgelöst hat.

«Homeoffice» – meiner Ansicht nach ist es das Wort des Jahres 2021. Langsam kehrt aber wieder die Normalität zurück und damit ist auch die Homeoffice Pflicht vielenorts aufgelöst worden. Was bleibt nun davon übrig? Trotz anfänglichen Schwierigkeiten haben viele Arbeitgeber gemerkt, dass Homeoffice sich zwar komisch anfühlt – wenn plötzlich ganze Belegschaften sich zuhause tummeln und von zuhause arbeiten - aber die Effizienz ist vielenorts gesteigert worden. Homeoffice gilt plötzlich nicht mehr als Übel und als unmögliche Variante, sondern ist realistisch geworden. Damit kann auch die Vereinbarkeit von Arbeit und Familie einfacher werden. Auch wenn es schon früher in vielen Firmen gleitende Arbeitszeiten geben hat, so kann man sich doch im Homeoffice die Zeit mehr oder weniger selbst einteilen, die Reisezeit entfällt – man ist flexibler geworden.

Aber was bedeutet dies nun für die Schule? Hier ist Homeoffice nur schwierig umzusetzen. Präsenzunterricht ist wieder möglich und somit auch der eminent wichtige persönliche Kontakt zu den Schülerinnen und Schülern.  Stundenplan, Sitzungstermine, Weiterbildungstage geben den Alltag der Lehrerinnen und Lehrer vor. Vor Jahren ist es schlicht als unmöglich angesehen worden, während der sogenannten Sperrzeit (Sitzungszeit) oder einer Weiterbildung nicht vor Ort zu sein. Während der Pandemie ist dies möglich geworden, auch einmal von zuhause via Teams oder Zoom die Veranstaltung zu verfolgen.  Diese Hybridveranstaltungen sind legitim geworden und eine gute Möglichkeit, auch von zuhause aus an Sitzungen teilzunehmen und sich einzubringen. Eine echte Erleichterung für alle Familien!

Aber aus arbeitnehmerischer Sicht ist es ansonsten immer noch schwierig, Familie und Schule gut zu vereinbaren. Wieso das? Die Schule gilt doch generell als Teilzeitarbeit freundlich!  Jedes Jahr beginnt im Frühling das grosse Zittern, wie wohl der Stundenplan im nächsten Schuljahr aussehen wird. Kann man die Arbeitszeit der Partnerin oder des Partners, das Teilpensum an der Schule und die Betreuung der Kinder unter einen Hut bringen? Ist es denn möglich, beispielsweise die Arbeitstage des Teilpensums in der Schule für eine gewisse Zeit zu fixieren, um somit mehr Planungssicherheit für die Organisation der Familie zu erhalten? In der Wirtschaft geht das doch auch. Dies wird an vielen Schulen verschieden gehandhabt – leider ist aber oftmals nur schwer umsetzbar oder auch gar nicht möglich. Denn die Stundenplanung ist eine sehr komplexe und schwierige Aufgabe. Das Wohl der Schülerinnen und Schüler steht im Vordergrund, der Stundenplan muss stimmig sein. Diverse Komponenten wie die Pensenplanung, Blockzeiten, Raumplanung etc.  sind zu beachten. Dennoch ist es eben auch für arbeitende Eltern mit Kindern eine echte Herausforderung, jedes Jahr von Neuem Familie und Schule zu vereinbaren. Man muss flexibel bleiben und sich nach der Schule richten. Flexibilität hat uns alle die Pandemie gelernt. Wie flexibel sind die Schulen heute, wenn es um die Vereinbarung von Familie und Schule geht? Könnte es nicht auch anders gehen, wenn es darum geht, noch bessere Bedingungen für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu schaffen und beispielsweise Arbeitstage und freie Tage zu fixieren?  Schliesslich ist die Zeit, während die Kinder vollumfänglich Betreuung brauchen, absehbar.

Ein Betreuungsangebot, eine Kita am Arbeitsort für die Kinder der Lehrerinnen und Lehrer, wie es in mittleren bis grossen Unternehmen teilweise zu finden ist, ist für die Schule momentan noch nicht denkbar.

Es ist aber klar. Flexible Lösungen werden immer wieder von Beteiligten gesucht, oftmals auch umgesetzt. Ich wünsche mir, dass die Kreativität, welche in der Pandemie entstanden ist, weiterverfolgt wird,  die teils starren Denkweisen hinterfragt werden, damit im Lehrberuf ein Umdenken betreffend Familie und Arbeit stattfinden kann, neue Arbeitszeitkonzepte gesucht werden und Veränderungen erfolgen können.

 

 

 

 

 

Zielerreichung unserer Anliegen

Gleichstellung von Kindergartenlehrpersonen bezüglich Lohn, Entlastung für die Klassenführung und Pensum mit Lehrpersonen der Primarstufe

aufgenommen

Gleichstellung von Lehrpersonen mit altrechtlicher Ausbildung auf der Sek Stufe z. B. Fachlehrpersonen für WAH oder Gestalten

aufgenommen für Fachlehrpersonen mit Unterrichtsberechtigung für Sek I

Gleichstellung von Lehrpersonen mit altrechtlicher Ausbildung auf der Sek Stufe z. B. Fachlehrpersonen für WAH oder Gestalten

aufgenommen für Fachlehrpersonen mit Unterrichtsberechtigung für Sek I

Angleichung der Unterrichtspflichtpensen von Lehrpersonen der Berufsschulen an jene der Gymnasien

abgelehnt

Einbau der TREZ ins Lohnsystem ohne Verluste für die Angestellten

aufgenommen

Problematik der befristeten Anstellungen bei Lehrpersonen

aufgenommen durch eine Untersuchung der Anstellungspraxis

Abgeltung der Verbandsarbeit durch die gemeindlichen Schulen.

aufgenommen durch eine entsprechende Empfehlung an die Gemeinden

100% Lohn während des Vaterschaftsurlaubs

aufgenommen

Gleicher Anspruch beim Dienstaltersgeschenk für alle Lehrpersonen (bisher nur für kantonale Lehrpersonen verpflichtend)

aufgenommen

Anspruch auf 3 Tage Urlaub für die eigene Hochzeit analog dem Verwaltungspersonal

abgelehnt mit Verweis auf die Erhöhung des Ferienanspruchs bzw. die geplante zusätzliche Entlastungslektion

Die vom Staatspersonalverband geforderte Ausweitung der Ferientage wird von der Regierung ebenfalls unterstützt. Im Sinne der Gleichbehandlung sollen Lehrpersonen der Volksschule ab Alter 40 und Lehrpersonen der kantonalen Schulen ab Alter 45 eine Entlastungslektion erhalten, was einer Reduktion des Unterrichtspflichtpensums um eine Lektion entspricht.

Der Einbau der TREZ ins Lohnsystem hätte den guten Effekt, dass ausserkantonale Erfahrung und Berufserfahrung im Kanton Zug gleich gestellt würde. Lehrpersonen mit Berufserfahrung aus anderen Kantonen würden ab der Gültigkeit der Gesetzesänderung den gleichen Lohn erhalten, wie Lehrperson mit gleich vielen Dienstjahren im Kanton Zug.

Auch wenn die vorgeschlagenen Gesetzesänderungen viele Vorteile bringen, gibt es auch zwei Änderungen, welche in bestimmten Situationen die Stellung der Lehrpersonen verschlechtert.

So soll die Arbeitgeberseite gleich wie die Lehrpersonen zweimal pro Jahr kündigen können (31. Januar und 31. August) und bei missbräuchlichen Kündigungen sollen neu die Umstände bei der Festsetzung der Entschädigung berücksichtigt werden.

Der LVZ wird sich bis Mitte September 2021 im Rahmen der externen Vernehmlassung zum Bericht und Antrag der Regierung äussern.